Verwandelte Kundengärten
Hier findest du ein paar Eindrücke und kleine Geschichten meiner Arbeit. In den kommenden Jahren werden auch Bilder "nach einem Jahr"..."im nächsten Sommer" dazukommen. Wir, das heißt: du, ich und die Kunden dieser kurzen Geschichten dürfen gespannt sein, was sich entwickelt!
Es gehört zu meinen Planungs- und Durchführungsgrundsätzen, möglichst wenig Material (außer Pflanzen) aus dem oder in den Garten zu bringen. Vor Ort vorhandenes fantasievoll nutzen oder wiederverwerten, kompostieren oder zu kunstvollen Lebensräumen für Kleintiere umgestalten... spart meinen Kunden (Transport)-Zeit und Geld und energieintensive Neuproduktion.
Schwarzwaldprärie
Eine junge Familie möchte ein ca 50m² großes Beet an ihrem Haus auf ca 1000Hm neu anlegen.
Die Bepflanzung soll sich optisch gut zwischen neuerem Schwarzwaldhiisle und offenen Weideflächen einpassen. Es soll aber keine einfach-nur-Naturgartenfläche werden, sondern ein bewusst geplantes Gartenbeet sein! Ein Präriegarten am Liebsten!
Die Standortanalyse:
- Hang nach Südwesten geneigt, fast 45% -> sehr heiß, Staunässe sehr unwahrscheinlich
- Untergrund aus einem unergründlichen Mix aus Bauschutt, Kies, Sand und lehmigem anstehenden Boden -> nährstoffreiche und -arme Stellen unerkennbar nebeneinander möglich
- Wetterseite und weite offene Flächen davor (nur kleine Sträucher)-> starke Windböen möglich
- Sonnenunterganggsseite -> alle Blütenpflanzen sollen dementsprechend in diesen Farbtönen blühen!
Ein Präriegarten kann hier gelingen. Die Ziergräser nehmen den Charakter der offenen Graslandschaft auf, durch die "sortierte" Anordnung ensteht aber auch ein Bruch zur wilden Weide. Bei der Planung muss ich nährstoffgierige Fresser, zu hohe, bruchgefährdete Pflanzen und natürlich nicht ausreichend winterharte Stauden weglassen.
Blütenfarben dürfen rot, orange, gelb, mint(Blätter), lila, rosa, pink sein.
Los gehts!
Ab der Cortenstahlkante der Terasse abwärts liegt die Fläche, die Präriebeet wird.
Den aktuellen Wildkrautbewuchs entfernen meine Kunden selbst und bringen noch mehr Masse auf die Fläche: alles was seit Bauarbeiten ums Haus an Erd-Sand-Komposthäufen liegt, rein ins Beet.
Der uralte Flieder bleibt erstmal im Beet, auch wenn er definitiv nicht präriig ist.
Durch einen kräftigen Schnitt werde ich ihn zu einem Schirmbaum umformen.
Wenn es optisch später gar nicht passt, ist er schnell weggesägt...
Außerdem verdeckt er die Aussicht aus der Terrassentür. Also wirklich, da muss was passieren!
Jetzt muss ich aber zuerst die Bepflanzung planen.
Aber die Einschränkungen in Blütenfarbe, Wuchshöhe, Nährstoffbedarf und Winterhärte machen es nicht schwieriger, sondern einfacher!
Nicht zighunderte Pflanzen kommen in Frage, sondern nur eine kleine feine Auswahl. Und die kann so richtig zeigen was in ihr steckt.
Als ich zur Baustelle komme, sind von den Kunden noch zwei weitere Helfer organisiert und die Fläche ist gejätet.
Vorne wird noch weiter aufgefüllt und hinten bereite ich schon die Beetoberfläche für die Staudenpflanzung vor. Ein kleiner Pflegeweg entsteht spontan aus den herausgerechten Steinen.
Bis zur Mittagspause sind sogar schon erste Stauden gesetzt. Ich setze wie immer zuerst die größten Leitpflanzen selbst, dann können sich meine Kunden/Helfer bei der Pflanzung der kleineren Stauden daran orientieren, sollte mal etwas nicht genau dort liegen wo es hin soll.
Zweierlei Einflüsse lassen mich die Stauden etwas enger setzen als an anderen Baustellen in Tallagen: die kurze Vegetationszeit von ca 5-6 Mon/J und der unsicher nährstoffhaltige Boden. Auch wenn jede Pflanze vor der Pflanzung in kundeneigenem Komposttee gestärkt wurde, dauert es länger bis die Fläche geschlossen bewachsen sein wird.
Fertig! Nach dem guten Mittagessen können wir uns zwar kaum bücken, aber trotzdem läufts mit den fleißigen Helfern wie am Schnürchen und alle Stauden sitzen zur Kaffeezeit.
Der Flieder ist verschlankt und der Pflegeweg hintendran ist schön stabil. Von diesem aus lässt sich später die Pflanzung auch "von innen" genießen!
An je einer Staude stecke ich ein Namensschildchen. So können meine Kunden sich bei Pflege und Ideen zur Weiterentwicklung selbstständig orientieren und Fragen zum Wuchs oder bei Problemen können präzise zugeordnet werden. Also nicht "die mit den länglichen grünen Blättern links vorne" möchten wir noch an anderer Stelle, sondern "Helenium 'Mardi Gras' ".
Schon in diesem frühen Stadium von "nur ein paar Blättchen und Hälmchen" sind meine Kundin, unsere Helfer und die wunderfitzigen Besucher begeistert, obwohl sie nicht wissen, was das alles wird...! Pflanzenzauber wirkt eben auch in klein.
Jetzt heißts gut über den Winter kommen - beim Schreiben dieser Zeilen liegt schon ein bisschen Schnee, ein wunderbarer Frostschutz!
Im Frühling den frischen Austrieb begrüßen und im Sommer die erste Fülle an Blüten und Halmen genießen... herrlich!
Eine Gartenteichrettung
In diesem Fall hat meine Kundin ihren geliebten Gartenteich nicht mehr pflegen können. An einer Stelle war die Teichfolie abgesunken und der maximale Wasserstand viel niedriger als früher. Die freiliegende Teichfolie war nun dem UV-Licht ausgesetzt und dadurch in Gefahr, spröde zu werden.
Außerdem ließen Algen und (zu) wild wachsende Randpflanzen alles etwas ungepflegt wirken... ihre Umfeld meinte gar, sie solle das "Dreckloch" endlich zuschütten! Das brachte sie nicht übers Herz.
Zum Glück stellte ihre Freundin Kontakt zu mir her, und so konnte die kleine Teichrettung beginnen.
So sah der Teich aus, als ich kam. Weniger schlimm, als ich aufgrund der Beschreibung befürchtet hatte. Ein Biotop, das nur vorsichtige optische Verbesserungen nötig hat.
Nachdem ich die (zum Glück noch stabile) Folie so gut es ging etwas hochgehebelt und mit Humus unterfüttert....
...und dann noch mit rundlichen Kieseln hochgestützt hatte... dazu die mittlerweile unter Rasen verschwundenen Sandsteine entdeckt, etwas angehoben und unterfüttert waren...
...die Algen und einige Wasserpflanzen entfernt und der Rand gejätet, mit noch vorhandenen Steinen und Zierkies aufgefüllt, neu mit Rasen eingesät und einige Stauden dazugesetzt waren, sah das schon ganz anders aus.
Das Endergebnis,
glitzernd und glatt...
Das Wichtigste: das Wasser ist jetzt wieder fast 10cm höher als vorher! Somit liegt die Folie nicht mehr frei und durch den klar definierten Wasserrand und die frisch gestochenen Beetränder sieht alles viel ordentlicher aus.
Die Freundin meiner Kundin (und sie selbst natürlich) war hellauf begeistert, was für ein Schmuckstück der Teich jetzt wieder ist! Von Zuschütten war keine Rede mehr.
Libellenlarven jeder Größe, ein Frosch, Wasserkäfer und mindestens ein Molch wohnen darin. Ein kleines Biotop in einer zugeteerten Wohnsiedlung.... Die schlüpfenden Libellen und die frischen Stauden werden im nächsten Sommer um die Wette leuchten!
Neue alte Treppe
Bei Balkonbaurbeiten wurde die kleine Gartentreppe meiner Kundin auseinandergenommen. Die Steine lagen danach ewig als unordentlicher Haufen im Garten und ärgerten meine Kundin. Über die verbliebenen Steine war ein sicherer Abstieg in den unteren Gartenteil nicht mehr möglich. Ein Familienmitglied stellte Kontakt zu mir her.
Eine neue Treppe aus Beton oder exakten Steinen hätte in dem kleinen Gärtchen am Haus fehlplatziert gewirkt, da alle Beete mit den lokalen Steinen umrandet und befestigt sind. Außerdem wäre dank Bagger- und Materialeinsatz eine Riesensumme zu bezahlen... das muss ja nicht sein.
So hatte ich Gelegenheit zu einem wunderbaren 3D-Puzzle à la "Natursteinstufen in Trockenmauerbauweise setzen".
Entdeckst du auf den folgenden Bildern die 3-4 Steine, die sich NICHT bewegt haben?
Die Steine hat meine Kundin zum Glück aufbewahrt und fleißig noch ein paar gesammelt, so ist genug Materiel zum Aussuchen vorhanden. Jeder Stufenstein braucht zumindestens eine, besser zwei glatte Flächen.
5 Stunden später...
Jetzt macht es wieder Freude, den unteren Gartenteil zu betreten.
Die kleine Treppe und die Beetmauern sind ohne Mörtel gebaut, da sie außer einer Fußgängerin, wenig Erddruck und kleinen Stauden keinen Lasten ausgesetzt sind.
Ein Handlauf kann seitlich bei Bedarf jederzeit angebracht werden, entweder im gleichen rustikalen Stil aus unbehandeltem "wildem" Holz oder keck kontrastierend in schnörkellosem, glänzendem Edelstahl.
Das Endergebnis,
naturnah und nachhaltig.
Für den Treppenbau waren keinerlei neue Materialien nötig.
Das kleine neuentstandene Beet bepflanzte ich mit einer pflegeleichten, bunten und trockenheitsresistenten Staudenmischung. Es wird füllig wachsen, aber außer dem Frühjahrsrückschnitt keine weiteren Pflegemaßnahmen benötigen.
Die Stauden werden über viele Jahre wenig Arbeit aber viel Freude bringen und Insekten reiche Nahrung bieten.
Größere Baustellen
Darfs ein bissle mehr sein? Wenn der gesamte Garten eine Runderneuerung braucht...
Einamal rund ums Haus, bitte...
Ein Reihenendhausgarten hatte nach einem jahrelangen Bambus"überfall" einen Neustart nötig. Als ich das erste Mal zur Baustelle kam, war der Bambus schon von einer anderen Firma per Bagger beseitigt und die grundlegenden Boden- und Wegearbeiten erledigt.
Gewünscht war ein pflegeleichter, gerne sehr Rosen- und Rosalastiger Garten zum ganzjährigen Aufenthalt und ein bisschen was zum Naschen. Ok, kriegen wir hin!
Das heißt... die neu erstellte, endlich eingewachsene Rasenfläche wieder aufreißen?
Ja. Ein Teil jedenfalls.
Durch die gut organisierte und fleißige Mitarbeit der Familie gelang uns das am ersten Tag.
Die Rasensoden kamen am Zaun zur Auffüllung des kleinen Abhanges zu neuen Ehren. Abtransport gespart. Auffüllmaterial gespart. Wunderbar!
Die Planung:
Die unterschiedlichen Lichtverhältnisse ermöglichen verschiedene Gartenzonen.
Ein fast vollschattiges "Asia"beet, den Charakter gibt der alte rote japanische Ahorn vor. In der sonnigen Fläche am Weg entlang werden eher mediterrane Stauden und mehrere Rosen und Gräser den Ton angeben und um den Steintisch herum sollen viele leckere Früchte auf kürzestem Weg vom Strauch in den Bauch wandern.
Das Form für das schattige "Asia"-Beet finden wir, indem ich die geplanten Sträucher und Stauden pur auf dem Rasen ausstelle. Dann wird mit dem Gartenschlauch ein Rand festgelegt, die Pflanzen auf die Seite gestellt und der Rasen abgetragen. Danach wird wieder aufgestellt und gepflanzt!
Diese "Planung im Tun" ermöglicht es meinen Kunden, die für sie schönsten Lösungen selbst zu finden!
Genauso legten wir die Beetgrenzen im sonnigen Bereich fest. Dann gings ans Pflanzen! Ich setzte die größeren Sträucher und Leitstauden an ihre Schlüsselpositionen, die Kundin machte sich nach einer kurzen Pflanzanleitung ans Eingraben der Begleitpflanzen und Bodendecker.
Im Beet wachsen hohe Gräser, duftende Rosen, ('Bonica 82', 'Rose de Resht', ' Gertrude Jekyll'), halbhohe Rosenbegleiter und ein paar andere Highlights.
Zwei Steineichensträucher rahmen den Durchgang auf die Wiese und in den hinteren Gartenteil.
Zum Naschen stehen bald Aprikosen, Äpfel und Birnen, Erd-, Him-, Johannis- und Blaubeeren parat.
Mein Kunde baut sich in Eigenregie und mit viel Freude einen Weg durch den Rasen.
Der schon im Garten befindliche Schneeball (Viburnum plicatum, evtl 'Watanabe') wird vom Kunden mit möglichst großem Ballen ausgestochen, umgepflanzt und ausgiebigst gewässert. Was an den Zweigenden trotzdem zu schlappen beginnt, wird zurückgeschnitten, alleshalb so wild!
Das Asiabeet wird fast immergrün und mit viel Duft den Wohnwagen auch im Winter zuverlässig "verstecken".
Und dann brauchte es noch einen Sichtschutz. -und zwar für den Blick vom 3m hohen Balkon ins benachbarte Industriegrundstück. Da müssen ein paar "kleine" Bäume her... Zwei Säulenamberbäume (Liquidambar styraciflua 'Slender Silhouette', jeder mit Kübel etwa 6m hoch...
Bei solchen Transporten immer an den Rindenschutz denken - auf die Kante der Hängerklape dick Sackleinen oder Vlies legen und das und den Stamm verrutschsicher befestigen.
Bei lausigem Wetter setze ich mit dem Kunden die Bäume. Wir arbeiten natürlich von Hand - zum Glück lässt sich die Erde gut graben!
Die vier 3m langen Pfähle rammen wir gut ein, damit in dieser windigen Ecke nichts ins Wanken gerät. Anbinden mit Kokosstrick, fertig.
Die sehen hier so winzig aus, aber es sind Riesen!
Dieses Jahr wird die Herbstfärbung noch mager ausfallen, das Pflanzen / die Lichtänderung schockt zu sehr. Nächsten Herbst dann Feuerwerk!
Das Beet vorm Haus war ursprünglich auf "später" geplant. Aber wenn mal die Gartenlust geweckt ist... weiter gehts, das machen wir auch noch!
Vollschattig aber mit Streulicht auf der Nordseite des Hauses verwenden wir hier Aronie, Zaubernuss 'Jelena'(Hamamelis), Bergenien, Storchschnabel (Geranium), Elfenblume (Epimedium), Beinwell (Symphytum), Waldsteinie und eine Deutzie.
Der Kontrollschacht darf ruhig überwachsen werden. Im Falle eines Falles können die Polsterstauden hochgeklappt oder zurückgeschnitten werden.
Zuguterletzt baue ich noch schnell eine Beetbegrenzung aus Nachbars kostenlos zur Verfügung gestellten ausgegrabenen Wackis.
Sie waren froh, die Entsorgung zu sparen...
Die optisch saubere Abgrenzung erlaubt überbordende Fülle im Beet, die trotzdem ordentlich aussieht. Ins linke Eckle unter den Briefkästen kam danach noch eine 2. Nandinia domestica - ganzjährig schön mit rotorangenem Austrieb, filigranem immergünen Laub, weißer Blüt und roten langanhaltenden Beeren. Eventuell folgt auf meinen Tip hin ein leuchtend Pupurroter Anstrich des Geländers um das Rot des Himmelsbambus zu unters t r e i c h e n ;)
Jetzt sind wir wirklich komplett "einmal rum" ums Haus!
Das wars...
...natürlich noch lange nicht. Ich habe noch ein paar Bilderstrecken, die ich demnächst noch einbaue.
Und nicht jede Baustelle ist so spektakulär, und nicht jedes Mal habe ich Zeit oder Erlaubnis zu fotografieren.
Aber vielleicht bei dir demnächst?