Gärten heilen
Gartenarbeit ist gesund. Punkt.
Außer man/frau verlupft sich beim Steinmauern bauen den Rücken oder rammt sich einen Feuerdorn-Dorn in den Finger. Am besten direkt neben dem Fingernagel.
Naja, aber das sind Kleinigkeiten, verglichen mit der herrlichen Entspannung, die einem eine duftende Rose mit einem Atemzug schenkt.
Oder dem knackigen Genuss von Mohrrüben, die man schon als Samenkorn kannte.
Oder der innigen Freude, wenn eine Pflanzenkombi zufällig hingesamt oder selbst ausgetüftelt genial zusammenpasst und sich dazu noch Bienen und Schmetterlinge drauf stürzen.
Die minutenlange Seelenversenkung bei den Molchen im Teich nicht zu vergessen... und das Lachen über das Eichhörchen, das mit der Nuss davonsaust.
Das alles ist es wert, sich mit Dornen und Stacheln anzulegen, schwere Steine rumzuwuchten, in kaltem Matsch zu wühlen, und Regenwetter mit Papierkram zu überbrücken um dann in der nächsten Regenpause wie eine Wilde hinaus zu rennen und weiter zu machen.
Denn die körperlichen Bewegungen bei der Gartenabeit und das innere Erleben dabei sind gesund und tun einfach gut.
Bücken, strecken, heben, tragen, knien, aufstehen, hineinfitzeln, zusammendrahten, vorsichtig entwirren... fördert und fordert das Zusammenspiel der Bewegungen, knetet die Muskeln und alle Innereien schön durch, lässt das Herz höher schlagen und schärft die Sinne.
Und das auch noch an frischer Luft. Die ruhig auch mal beißend kalt oder lähmend heiß sein darf. Was immer man sich zutraut, ist gefolgt von der Befriedigung, etwas sichtbares, bleibendes "geschafft" zu haben.
Aber das brauch ich dir ja gar nicht erzählen. Wärst du nicht sowieso dem Gärtnern verfallen, hättest du schon weitergeklickt.
Hier kommt mal was anderes... konkrete Tips, wie Gartenarbeit heilen kann.
Gärtnern fürs gute Gefühl
Oft bekomme ich von anderen Gartenmenschen zu hören, wie gut die Gartenarbeit tat, wenn es einem mal nicht so gut ging. Wie Gartenarbeit erdet, befreit, beruhigt und aufmuntert... das kenn ich auch.
Wer aus mangelnder Gartenerfahrung eine ähnliche "Befreiung" sucht, aber nicht weiß wie man dahingelangt, findet hier vielleicht eine Anregung, welche Arbeiten bei "was" helfen könnten.
Wie man ungute Gefühle loswird oder ihnen zumindestens eine Weile entkommen kann.
Ohne Garantie für nix! Diese Vorschläge ersetzten (leider) keine professionelle Hilfe, wenns wirklich ganz schlimm ist, aber wenns nicht ganz sooo schlimm ist, ist es einen Versuch wert.
Was also tun, wenn es einem mal nicht so gut geht?
Nichts neues schaffen...
scheint mir am Wichtigsten (es sei denn man spürt, da nur DAS hilft). Im Neuen, ob es ein neues Mäuerle ist oder ein endlich gepflanzter Strauch) hängt dann vielleicht(!) ewig die Erinnerung an das Gefühl beim Schaffen: "das habe ich gebaut als ich wütend war wegen..." "diesen Baum habe ich vor Jahren gepflanzt als ich wegen xyz so traurig war".
So KANN es sein, muss nicht, es hängt mit dem Mensch dahinter zusammen...
...sondern abbauen, zammreißen, reinigen, leeren...
Das innere Gefühl aufs Äußere übertragen und das dann rein "materiell" zu beseitigen -oder zum Guten verändern- scheint mir emotional nachhaltiger. Ohne hochgeistig oder esoterisch irgendwas zusammenzuschustern, folgen hier ein paar Ideen, die einfach nahe liegen... Probiers aus, obs was für dich ist. Über Kommentare und Anregungen freu ich mich!
Man fühlt sich gerade... hmmmm...
Bäume ausreißen is grad nicht... aber an Blumen riechen geht.
Sehr gut. DAS hilft immer. Wenns ein bissle mehr Action sein soll, bitteschön, hier meine Ideen. Natürlich nicht alles auf einmal. Oder was ganz anderes.
Hauptsache ab in den Garten.
Was in den folgenden Anregungen "pflegen" bedeutet, spürt jeder selbst am Besten: ob fegen, jäten, putzen, ausschneiden, roden oder einfach nur totstarren...
Du fühlst dich
unruhig | genervt | rastlos | gestresst
Was hilft?
erdende, meditative Arbeiten, an etwas festhalten
- jäten
- Rasen mähen
- Sitzplatz aufräumen
- Arbeiten mit Spaten, Schaufel, Besen...
Du fühlst dich
verwirrt | ratlos | aufgewühlt | haltlos
Was hilft?
anlehnen, eine Richtung finden, sich Strukturen anvertrauen
- Wege pflegen, fegen, rechen
- leichter Rückschnitt von Sträuchern an Wegen
- Hecken / Beetbegrenzungen innerhalb des Gartens schneiden
Du fühlst dich
zerstritten | unfriedlich | disharmonisch | zerrissen
Was hilft?
mit Pflanzen "streiten", sich mit Pflanzen anlegen
- Rosen schneiden
- stachlige, dornige Sträucher schneiden ggf auch beseitigen
- ineinander verworrene Pflanzen trennen
- Dickichte auflösen / roden / Hauptpflanze befreien
Du fühlst dich
ärgerlich | wütend | zornig
Was hilft?
Kraft einsetzen, Dampf ablassen, draufhauen
- unbelebte Garten(bau)teile abbauen, abreißen, wegräumen
- unschöne / unbrauchbare Mauern, Platten, Fundamente Pfosten entfernen
- Gartenschuppen entrümpeln, Müll und Schrott raus / wegbringen
- ungewollte Rankpflanzen entfernen
- Kompost umsetzen
Du bist
ängstlich VOR etwas | besorgt | mutlos
Was hilft?
Grenzen schützen, "bewaffnen", zurückziehen
- Hecken und Zäune an Gartengrenze bearbeiten, pflegen
- alle Schnitt- und Scherenarbeiten,
- Schaufel-, Spaten-, Hammerarbeiten,
- versteckte Lieblingsecken pflegen
Du bist
traurig | einsam | ängstlich UM etwas
Was hilft?
am Wasser gebaut sein dürfen, Kontakt aufnehmen, mutig werden
- Verblühtes zurückschneiden,
- Wasserplätze pflegen: Teich, Bach, Vogeltränke, Rinnen und Wassertonnen reinigen,
- Beete in Grenznähe pflegen,
- Eingangsbereich am Haus pflegen
Du fühlst dich
kraftlos | unmotiviert | deprimiert | enttäuscht
Was hilft?
Kraft tanken, zurücklehnen, hochkommen
- Bäume (nur!) durchschauen ob Schnitt, Düngung oä nötig
- Baumscheiben (die Stelle um den Stamm herum) pflegen, freimachen
- hängende Pflanzen hochbinden, stützen
- Gemüse-/ Beerengarten durchschauen, pflegen
- Insekten bei ihrem Tagwerk beobachten
Und dann gehts auf einmal wieder...
Man fühlt sich besser, freier, lebendiger...und hat obendrein noch was geschafft...
Ich wünsch dir VON HERZEN alles Gute, viel Kraft und "halt durch"... wie ein Samenkorn im Winterschlaf.